Wie wir - damals noch inoffiziell - berichteten, hat sich die FIVB im Herbst die ABVIA einverleibt. Nun sind erste Konsequenzen sichtbar.
BVAW-Turnierserie
Die bisher von der ABVIA unter dem Namen 'Beach Volley around the World' (BVAW) veranstalteten Turniere für lizenzfreie Spieler an Orten im Mittelmeerraum (Spanien, Italien, Südfrankreich, Türkei) werden auch in Hinkunft stattfinden. Natürlich werden diese Turniere wie schon im Vorjahr in unserem Turnierkalender zu finden sein, sobald dafür Termine feststehen; das erste Event von sechs geplanten, Alcudia (ESP) im Mai, ist bereits eingetragen.
World-Tour-Rahmenbewerbe
Zusätzlich soll es im Rahmen der FIVB World-Tour-Turniere nicht nur Bewerbe für Profis, sondern auch solche für Hobbyspieler ('amateurs') geben. Letzteres soll nach Pressemeldungen der FIVB und der ABVIA darauf hinauslaufen, daß an den Original-Spielplätzen der World Tour dreitägige Hobbyturniere in den Spielmodi 2x2, 3x3, 4x4, ferner Gratis-Trainingscamps mit Profitrainern und Konzerte stattfinden. Außerdem soll es nicht näher beschriebene Touristik-Angebote geben.
Wie das genau aussehen wird (Hobbyturnier auf den Außencourts? Am Centercourt vor/nach dem Profiturnier?), an welchen WT-Turnierorten es ABVIA-Events geben wird und wie diese mit den lokalen Veranstaltern der WT-Turniere koordiniert werden, ist nicht nur uns unklar. Hier ist noch vieles in Schwebe. Die FIVB hat jedenfalls auf den Webseiten zu den WT-Turnieren in der Sparte 'General Information/Useful Information' bei jedem heurigen WT-Turnier die ABVIA eingetragen, so z.B. auch beim BVB Grand Slam in Klagenfurt. Für Mitte März wurden neue Informationen angekündigt.
Eine wichtige Konsequenz aus der Ehe FIVB-ABVIA für Spieler: eine Teilnahme an ABVIA-Turnieren zieht keine Sperre durch die FIVB nach sich - ganz im Gegensatz zu einer Teilnahme an der 'WVBF ProTour' (siehe unten).
Hergang
Das Ganze ging von einem Trainingscamp im Ort Adeje auf der Kanaren-Insel Teneriffa aus. Wegen der ausgeglichenen Witterung auf den Kanaren ist Beachen im Freien das ganze Jahr über möglich, es stehen nicht nur professionelle, sondern hochklassige Trainer (ehemalige WT-Spieler) zur Verfügung. Daher wird dieses Camp immer wieder von Beachprofis zur Wintervorbereitung genutzt.
In diesem Camp wurde 2007 ein erstes Turnier für Hobbyspieler durchgeführt. Daraus entstand eine ganze Hobby-Turnierserie, die sich vor allem im Mittelmeerraum ausbreitete (Spanien, Italien, Südfrankreich, Türkei). 2009 gab es schon 5 Turniere dieser Serie mit dem Namen 'Beach Volley around the World' (BVAW) in recht respektabler Größe (z.B. was Zuschauerzahl und Preisgeld betrifft). Die argentinischen Beachprofis Jose Salema und Mariano Baracetti, international bekannt aus ihren World Tour-Auftritten, konnten dafür als Testimonials gewonnen werden, Salema arbeitet auch als Trainer im ABVIA-Camp.
Bis zum Herbst 2009 lief die BVAW-Serie zwar mit Duldung der FIVB, aber immer unter argwöhnischer Beobachtung derselben. Immerhin hatte der Veranstalter der Serie eine Organisation namens 'Amateur Beach Volley International Association' (ABVIA) gegründet und es drohte ein Schisma: FIVB für Profis und Amateure mit Lizenz, ABVIA für die lizenzlosen Hobbyspieler zuständig. Wobei die FIVB zwar mit achtstelliger Mitgliederzahl der drittgrößte Sportverband der Welt ist, es aber sehr viel mehr Hobbyspieler als Profis gibt ... von denen der Großteil wohl nicht einsieht, wofür man zum Beachen unbedingt eine Lizenz brauchen soll.
Im letzten Herbst wurde der FIVB die Sache dann offenbar zu heiß: die BVAW-Serie war zu erfolgreich geworden. Vorsorglich wurde die ABVIA also an Bord geholt, bevor sich da ein 'Amateur-Gegenverband' herausbildet.
Schismen
In der Geschichte der Volleyballverbände gibt es mehrere Schismen, also Situationen mit konkurrierenden Parallelverbänden. Zwei wichtige davon:
Vielen ist noch der vorolympische Kalte Krieg zwischen FIVB und AVP (US-Beachvolleyball-Profivereinigung) in Erinnerung, in dem es ein wechselseitiges Startverbot für Spieler der beiden Verbände gegeben hatte. Erst die Einigung der beiden Streitpartner auf gegenseitige Toleranz im Jahr 1994 ermöglichte z.B., daß BVB olympisch wurde.
Während die AVP stark genug war, um von der FIVB nicht geschluckt zu werden, ist das Schicksal eines anderen Verbands noch nicht entschieden. Im Mai 2006 wurde der Konkurrenzverband WVBF, damals noch unter dem Namen FIABVB, aus Opposition zu Ex-FIVB-Präsident Ruben Acosta gegründet. Zunächst übernahm die WVBF die zwei Jahre zuvor gegründete Tour 'Pro Series' des Italieners Monduzzi mit Turnieren in Italien, Slowenien und der Schweiz. Mitte 2008, also schon nach 18 Monaten, endete diese Hochzeit aber im Streit. Seither veranstaltet die WVBF ihre eigene Turnierserie unter dem Namen 'ProTour' und konzentriert sich dabei neben der Schweiz und Italien auf das von der FIVB vernachlässigte Afrika. Teillnehmer an der ProTour (Spieler, Vereine, Schiedsrichter) werden von der FIVB und den ihr angeschlossenen kontinentalen (CEV) und nationalen Volleyballverbänden gesperrt. Damit finden sich unter den Spielern nur solche, die entweder nie vorhaben, bei FIVB-Events zu spielen, oder die ihre FIVB-Karriere bereits hinter sich haben. Ein prominentes Beispiel dafür ist der Österreicher Oliver Stamm, der zuletzt eher als "Dancing Star" denn als Beachvolleyballer Aufmerksamkeit erregt hat.
Archivbild: Oliver Stamm beim Beachmasters in Innsbruck 2002, (c) pinkpanther/beachers.at
Links
FIVB, International Volleyball and Beach Volleyball Federation
WVBF, World Volleyball and Beach Volleyball Federation (Seppey)
AVP, Association of Volleyball Professionals
Warnung des Schweizer Volleyballverbands SwissVolley vor ProSeries
WVBF läßt ProSeries fallen und veranstaltet ProTour (engl.)
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