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Pro's : Saisonrückblick 2009 2/4: Heimische Pro's (Damen)
Geschrieben von pinkpanther am 28.01.2010 22:25

Schwaiger Sisters

Ergebnisse

Schwaiger SistersDie Olympiafünften legen zu Saisonbeginn gleich mal ordentlich vor: zwei 5. Plätze auf der World Tour bei Top-Besetzung sorgen für einen gelungenen Start. Danach geht es so weiter: FIVB: 25-5-17-5-17-9-5-2-5-17; CEV: 7-3-7-3-5.

In der Saison 2009 leisten sich die Schwaigers nur drei "Nullnummern": und zwar in Osaka und in Marseille (immer ungeliebt bei den heimischen Beachern wegen der Windlotterie), wo sie ohne Sieg bleiben, aber als Hauptbewerbs-Fixstarter trotzdem 25. bzw. 17. werden und Punkte mitnehmen; sowie in Korea, wo Doris wegen einer im Flugzeug erlittenen Zerrung w.o. gibt und die Schwestern gar nicht erst antreten.

Analyse

In dieser Saison erzielen sie zwei ganz wesentliche Erfolge:

Der 5. Platz bei der WM in Stavanger ist wichtig, denn er folgt unmittelbar auf den "Nuller" von Osaka. Er bestätigt nicht nur Olympia-Platz 5, die Schwaigers werden dort auch bestes europäisches Team, was den Führungsanspruch in Europa untermauert.

Die größte Sensation passiert aber in Kristiansand (NOR). Dort stehen sie u.a. nach zwei Siegen über Juliana/Larissa (BRA) im Finale, also knapp vor dem ersten Turniersieg auf der World Tour! Papa Schwaiger überwindet erstmals seine Flugangst und steigt in ein Flugzeug, um seine Töchter siegen zu sehen; der ORF ändert kurzfristig sein Programm und überträgt das Finale live! Leider machen Talita/Antonelli (BRA) den beiden bei Regen einen Strich durch die Rechnung - es geht denkbar knapp mit 12:15 im dritten Satz her. Nichts wird leider aus dem ersten World Tour-Sieg für Ö., einen 2. Platz hat aber zuvor noch niemand von den Heimischen erreicht!

Basierend auf den Top-Ergebnissen auf der World Tour und der Führungsposition unter den europäischen Teams in der Weltrangliste müßte man eigentlich reihenweise Siege auf der CEV-Tour, der ECT, erwarten. Zwar sind die Schwestern in Blackpool erstmals topgesetzt, und bis ein Turnier vor Schluß haben sie die Chance auf den ECT-Gesamtsieg, aber immer wieder macht ihnen jemand oder etwas einen Strich durch die Rechnung. Sie selbst zeigen sich vom Ergebnis bei der EM in Sotchi enttäuscht - obwohl sie nur ein einziges Match dort verlieren, und das auch nur mit 4 Punkten Differenz, schaut am Ende "nur" der 5. Platz heraus. Recht unbescheiden betrachtet, ist eine Serie von 7-3-7-3-5 auf der ECT zwar nicht schlecht, irgendwie war aber mehr drin. Andererseits muß man sich eingestehen, daß das Jammern auf recht hohem Niveau bedeutet: die volle ECT-Saison gespielt, kein einziger Ausreißer nach unten.

Abseits der internationalen Szene nicht ganz uninteressant: die Ö. Meisterschaften. Heuer seit langem erstmals nicht durch internationale Turnierteilnahmen abgehalten, spielen sich die Schwaigers dort bis ins Finale, müssen aber wegen einer Verletzung aufgeben. So kommt es, daß sie zwar seit Jahren die Nr. 1 im Land sind, aber immer noch keinen einzigen Ö. Meistertitel auf dem Konto haben.

Bemerkenswert die Duelle mit Montagnolli/Hansel: international gibt es 2009 vier davon, zweimal verlieren die Schwaigers äußerst knapp gegen das heimische Zweierteam (15:17 und 13:15), einmal gewinnen sie eng und einmal klar. National gewinnen Montagnolli/Hansel ein weiteres Mal bei den ÖMS, insgesamt steht es im Head-to-head somit 2:3 für Sara-Babsi gegen die Schwaigers.

Im Herbst spielen die Sisters die World Tour nicht fertig, da sie zur Grundausbildung beim Bundesheer einrücken. Die letzten 2 WT-Turniere müssen sie dafür auslassen. Nur dadurch verlieren sie Platz 5 in der Weltrangliste und Platz 2 in Europa, erst im letzten Turnier werden sie von drei anderen Teams überholt. Es bleibt Weltranglistenplatz 8, das ist trotzdem der beste zu Saisonschluß (im Vorjahr 10 und Platz 1 in Europa).

Wertung

Waren die Schwaigers schon 2008 in der Weltspitze angelangt (Top 10 der Weltrangliste, Olympiafünfte), so haben sie heuer nochmals ein wenig zugelegt. Spieltechnisch sind sie noch konstanter geworden (Service, Annahme, Block) und haben keinen Respekt mehr vor großen Namen. So geht z.B. die Bilanz gegen brasilianische Teams mit 7:8 fast ausgeglichen aus - ein ausgezeichneter Wert, von dem viele andere Damenteams nur träumen können.

Ausreißer nach unten gibt es mit 3 ausgelassenen und zwei verpatzten WT-Turnieren zwar, aber diese halten sich in so geringen Grenzen, daß es die Sisters durch die guten Ergebnisse der übrigen Turniere auf Platz 8 in der Endabrechnung schaffen. Umfaller sind zwar nach wie vor drinnen, aber sie nähern sich langsam, aber beständig der ganz großen Sensation, z.B. einem WT-Sieg oder einem EM-Titel.


Montagnolli/Hansel

Montagnolli/HanselBis Klagenfurt 2004 waren sie schon ein Team, danach wurde jeweils die Partnerin getauscht. Fast viereinhalb Saisonen lang hießen die Paarungen Montagnolli/Swoboda und Hansel/Gschweidl, bis im November 2008 wieder "rückgetauscht" wird: Sara Montagnolli rauft sich mit Barbara Hansel zusammen, und die beiden wollen es 2009 offenbar noch einmal wissen. Im Winter wird trainiert, was das Zeug hält - sowohl in der Beachhalle in Innsbruck, die seit Februar 2009 zur Verfügung steht, als auch in Brasilien: 10 Wochen gemeinsames Training mit gleich 4 Trainern verordnen sie sich.

Ergebnisse

Das intensive Training in der Winterpause zahlt sich aus, denn die neue/alte Paarung schlägt sofort zu Saisonbeginn ein. Es gibt neunte Plätze auf der World Tour und der ECT. Dann folgt ein arger Durchhänger: in Korea und Gstaad schaffen sie jeweils die Qualifikation nicht, dazwischen - nicht ganz fit - den Aufstieg aus der Gruppenphase bei der WM. Danach geht es aber steil bergauf: In Moskau folgt ein sensationeller 5. Platz bei einem Grand Slam-Turnier aus der Qualifikation heraus, der sie mit einem Schlag aller Qualifikationssorgen enthebt. Für den Rest der Saison behalten sie nicht nur das Recht auf das Antreten im Hauptfeld, es setzt auch mit schöner Regelmäßigkeit meistens Topten-Plätze ohne arge Ausreißer nach unten. Die Reihen lauten: FIVB: 9-9-41-33-33-5-17-4-5-7-9-17-9, CEV: 9-4-9-9. An nationalen Ergebnissen kommt dazu noch der österr. Meistertitel.

Auf beiden Touren erzielen sie die beste Platzierung - jeweils 4 - zuhause. Während ein Semifinale eines CEV-Turniers in Baden noch nicht so eine Topsensation darstellt, muß man dasjenige beim FIVB Grand Slam in Klagenfurt weit höher einschätzen. Dort haben sie einen unheimlichen Lauf, schlagen die jeweils höher eingeschätzten Holtwick/Semmler (GER), Goller/Ludwig (GER) und die topgesetzten Talita/Antonelli (BRA), letztere ganz klar in zwei Sätzen. Das bedeutet: erstmals steht ein heimisches Team in einem Klagenfurter Semifinale! Was wiederum einem gewissen Hannes Jagerhofer Sorgen bereitet, weil er in grauer Vorzeit, als Österreicher schon froh sein konnten, beim Klagenfurter Turnier an einem Freitag noch im Bewerb zu sein, unvorsichtigerweise eine Wette abgeschlossen hat...

Analyse

Von allen heimischen Teams - Damen wie Herren - hat sich von 2008 auf 2009 bei 'Sara-Babsi' am meisten getan. Das sehen nicht nur wir so, denn bei den obligaten Preisverteilungen der FIVB zu Saisonschluß wird Sara Montagnolli in der Kategorie "Beste Verteidigungsspielerin" auf den zweiten Platz gewählt, Barbara Hansel in der Kategorie "Most Improved Player" auf den dritten.

Schon zu Saisonbeginn, wo wir sie erstmals in Baden live erleben können, sind wir beeindruckt: braun gebrannt und sichtlich erschlankt kommen die beiden aus der Winterpause (im Gegensatz zu manchen anderen Teams, die in der Olympiasaison 2008 noch einen Tick austrainierter waren als in der Saison danach). Die monatelange Vorbereitung in Brasilien und der Halle in Innsbruck schlägt sich nicht nur äußerlich sichtbar nieder, sondern auch gleich in Erfolgen. Danach folgte der beschriebene Durchhänger und bis Gstaad sieht alles nach einer weiteren Mittelfeld-Performance mit bestenfalls ein paar Lichtblicken aus.

Bis zur großen Wende Mitte Juli in Moskau. Nie zuvor hatte Sara Montagnolli eine bessere zweite Saisonhälfte eingefahren, Barbara Hansel schon überhaupt nicht. Fünfte Plätze auf der WT hatte es zwar für Montagnolli zusammen mit Sabine Swoboda schon gegeben (2006 und 2007), aber das waren immer nur einzelne Ausreißer geblieben. Jetzt folgt eine stabile Serie von fast nur mehr Topten-Ergebnissen.

Dazu kommt auch eine Portion Glück: in Marseille wird ihnen durch chaotische Wetterverhältnisse (wie den anderen Top 16-Gesetzten, z.B. den Schwaigers) die erste Runde geschenkt und so bringt ihnen ein Turnier ohne einen einzigen Matchsieg sogar noch einen 17. Platz ein. Oder daß ihnen heuer gerade die drei wichtigen Heimauftritte - Klagenfurt, Baden, ÖMS in Schladming - optimal gelingen, was sicherlich die Sponsoren hoch erfreut.

Von der Saison 2009 bleiben ihnen gleich mehrere persönliche Rekorde. Neben dem erstmaligen Erreichen eines Semifinales auf der WT z.B. auch erstmals Setzung an Platz 4 in einem WT Open oder die Wahl zur wertvollsten Spielerin in einem Turnier; am Schwersten wiegt aber sicherlich Platz 13 in der Weltrangliste zu Saisonschluß.

Wertung abseits von Plätzen

Angesichts der vielen prominenten Teams auf ihrer heurigen Abschußliste, der Stabilität in der zweiten Saisonhälfte und der Weltranglisten-Position kann man ganz eindeutig sagen, daß ihnen heuer der Vorstoß in die Weltklasse gelungen ist.

Barabara Hansel hat dabei nach jahrelanger Stagnation den größeren Schritt nach vorn gemacht. Sie ist nicht mehr länger einfach nur groß vorne am Netz, was für gute Gegnerinnen kein besonderes Hindernis darstellt. Die Fortschritte im Antäuschen, im Lesen der gegnerischen Angreiferin, aber auch im schnellen Erkennen von Situationen und in der Beweglichkeit erinnern an jene von Steffi Schwaiger von 2007 auf 2008.

Das soll die Leistung von Sara Montagnolli keineswegs schmälern. Neben einer (auch von der FIVB) ausgezeichneten Verteidigungsleistung war heuer auch der Angriff noch besser. Entschlossen und beherzt agierte sie schon immer, mit weniger Kilos und mehr Fitness springt es sich gleich höher und wieselt es sich noch flinker durch den Sand. Daneben kann sie jederzeit Druck machen, das Spiel bestimmen, selbst wenn das eigene Team hinten liegt (was zugunsten der Kopfarbeit spricht). Ergebnis ist ein Sideout "fast so sicher wie bei den Herren", oft über sehr lange Phasen eines Satzes bis hin zu ganzen Sätzen. Genau das, was man gegen Topteams braucht. Besonders wertvoll wird ihre 2009er- Performance angesichts der Tatsache, daß sie im Jahr davor gleich einige Rückschläge (Olympiaschlappe, Scheidung) und einen Beachpartnerwechsel zu verkraften hatte.

Im Vergleich mit den Schwaigers liegen 'Sara-Babsi' heuer zwar in direkten Duellen mit 3:2 vorne (s. oben), punktemäßig bleiben sie in allen Ranglisten aber dahinter. Das heimische Einser-Team bleiben somit zwar auch 2009 die Schwaigers, aber der Abstand ist eindeutig knapper geworden.



Rimser/Jirak

Rimser/JirakIn der zweiten gemeinsamen Saison sehen wir eine zunehmende Professionalisierung dieses Teams: zum Management kommt jetzt auch noch ein Trainer (Peter Gartmayer).

Allerdings bestreitet es im Gegensatz zu den beiden oben genannten Damenteams nur einen Teil der Turniersaison: 5 gemeinsame FIVB- und 2 CEV-Turniere werden es heuer. Das liegt vor allem an der Schulterverletzung von Magdalena Jirak, die sie zu Saisonmitte sogar zur Aufgabe der Karriere zwingt (wir berichteten). Klagenfurt wird international zu ihrem Abschiedsturnier, ab August spielt sie kein Turnier mehr.

Ergebnisse

Schwer zu sagen, wie gehandikapt Lini Jirak die halbe Saison durchspielt - größere Erfolge bleiben jedenfalls aus. Auf der World Tour steckt das Team in der Qualifikationsmühle, nur in Klagenfurt gibt es eine Wild Card für den Hauptbewerb. Auf dieser Tour gelingt kein einziger Matchsieg, auch wenn es wie in den Vorjahren manchmal nur knapp zugeht. Auch auf der CEV-Tour qualifiziert sich das Team nie für den Hauptbewerb. Als größter Erfolg bleibt ein 7. Platz bei einem FIVB-Challenger-Turnier, aus der Qualifikation heraus erzielt.

Mit genau gleich vielen Turnierteilnahmen (5 FIVB, 2 CEV) erreichen Sabine Swoboda/Jill Jasbar mehr Siege, mehr Punkte und sogar einen Turniersieg und erobern damit heuer Platz 3 der heimischen Teams.

Ausblick

Der Rücktritt Lini Jiraks wirft gleich zwei Fragen auf: Wer wird in der kommenden Saison den Platz des heimischen "Dreier-Teams" einnehmen ? Nahe liegen natürlich Swoboda/Jasbar, die das heuer in der Endbrechnung schon geschaft haben. Der weitere Kreis der verdächtigen Spielerinnen dafür lautet: Klopf, Pemmer, Gschweidl, Rimser, Knöppel, Pichler. Neben der Spielstärke wird dabei wohl die zweite Frage ganz wesentlich mitbestimmen: Wie viele internationale Turniereinsätze kann das jeweilige Team angesichts beruflicher und finanzieller Hürden bestreiten ?


Vergleich Damen - Herren

Im Vergleich mit den heimischen Herren sind unsere Damen heuer international die erfolgreicheren. Ablesbar ist das recht eindeutig an den Weltranglisten-Platzierungen der jeweils ersten 4 Teams zu Saisonschluß:

H: 12, 40, 56, 116
D: 8, 13, 64, 79


Links
Weitere Artikel dieser Reihe
Saisonrückblick 2009 1/4: Heimische Pro's (Herren)
Saisonrückblick 2009 3/4: Journal

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Doris & Stefanie Schwaiger
Sara Montagnolli / Barbara Hansel
Sabine Swoboda / Jill Jasbar
Cornelia Rimser/Magdalena Jirak

Alle Bilder aus Klagenfurt 2009. (c) pinkpanther/beachers.at    []

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